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Leserbriefe und Kommentare

Teilzerstörung des historischen Daches und Aufbaustockung des
Kulturdenkmals Domhotel Limburg

Stellungnahme von Manfred Ritter, Leiter der unteren Denkmalpflege in Marburg a.D.

Nach genauem Studium der Bauunterlagen etc. […] stellt sich die Sach- und Rechtslage wie folgt dar:

Nach meiner Einschätzung hat die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Limburg keine sorgfältige Prüfung des beantragten Bauvorhabens im Sinne des Denkmalschutzgesetzes und keine Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an den Belangen des Denkmalschutzes und den wirtschaftlichen Interessen des Antragsteller bei der Beurteilung des Baugesuches vorgenommen. Ansonsten wäre so eine Verunstaltung des hist[orischen] Erscheinungsbildes des Kulturdenkmals „Domhotel“ Limburg nicht zustande gekommen.

Das Bauvorhaben in der beantragten Bauweise und „Architektur“ und die damit verbundenen „Eingriffe“ in das denkmalgeschützte Erscheinungsbild und die Denkmalsubstanz des Kulturdenkmals „Domhotel“ Limburg, ist nach den Bestimmungen des Hessischen Denkmalschutzgesetzes, hier § 9 Maßnahmen der Denkmalschutzbehörden in Verbindung mit § 18 Genehmigungspflichtige Maßnahmen, nicht genehmigungsfähig und hätte somit versagt werden müssen.

Dazu zitiere ich einen Auszug aus dem Kommentar zu §9 HDSchG, hier die Erläuterungen zur Abwägung des öffentlichen Interesses an der Erhaltung des hist. Erscheinungsbildes des Kulturdenkmals und den privaten wirtschaftlichen Interessen, Rd-Nr. 21: 

Da die Allgemeinheit auf den Fortbestand des kulturellen Erbes in hohem Maße angewiesen ist, sind die typischen denkmalrechtlichen Handlungs- und Unterlassungspflichten nicht nur verfassungsrechtlich legitim, sondern verfassungsrechtlich geboten. Daraus ergibt sich für den Vollzug des DSchG, dass den o.g. wirtschaftlichen Interessen im Regelfall nur im Rahmen des denkmalfachlich Vertretbaren Rechnung getragen werden muss!“ 

(nach Viebrock, Kommentar zum Hessischen Denkmalschutzgesetz, Ausgabe 2018).

Damit wäre die UDSchB und das Landesamt für Denkmalpflege nicht verpflichtet gewesen, die denkmalschutzrechtliche Genehmigung ohne „wenn und aber“ zu erteilen, sondern sie hätte diese versagen und gleichzeitig denkmalverträgliche Alternativen aufzeigen müssen, die mit dem hist. Erscheinungsbild des Kulturdenkmals „Domhotel“ Limburg im Einklang stehen. Architektonische Modeerscheinungen hat sie nicht zu vertreten und erst recht nicht zu fordern (sogenannte zeitgemäße!? Architektur). Deshalb kann ich mich nicht des Eindrucks verwehren, dass die Genehmigung der UDSchB und das Einvernehmen des LfDH dazu, auf Anordnung von „oben“ erfolgte. Eine Gefälligkeitsgenehmigung???

Die angeblichen „wirtschaftlichen“ Interessen des Antragstellers sind nachrangig gegenüber dem Schutz des Kulturdenkmals (KD gemäß § 2 Abs. 1 DSchG) in seinem denkmalgeschützten Erscheinungsbild für sich und für das denkmalgeschützte Stadtbild (Gesamtanlage GA gemäß § 2 Abs. 2 DSchG), wie oben beschrieben. Die wirtschaftlichen Interessen nach weiteren und behindertengerechten Gästezimmern (vorzugshalber im Erdgeschoss und nicht im Dachgeschoss) können auch denkmalgerecht umgesetzt werden, wenn sich die Beteiligten damit beschäftigt und bemüht hätten. Insbesondere der containerartige Aufbau auf dem Dach, der das straßenseitige Erscheinungsbild erheblich beeinflusst, hätte durch in die Dachflächen eingebundene „Atelierfenster“ ersetz werden können (ein sicher vertretbarer Kompromiss).

Mein Eindruck ist der, dass sich insbesondere der Architekt und in Folge der Bauherr bewusst diese Containerarchitektur gewählt haben, um sich sichtbar selbst darzustellen (für das Hotel und die Altstadt nicht sehr werbewirksam, sondern abstoßend, also kontraproduktiv), was jedoch die Untere Denkmalschutzbehörde nicht zu beurteilen und erst recht nicht zu vertreten hat. Das ist nicht ihre hoheitliche Aufgabe als Exekutive.

So verstößt die Genehmigung nicht nur gegen die Bestimmungen des Hessischen Denkmalschutzgesetzes, sondern auch gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und ist zu widerrufen (den containerartigen Dachaufbau betreffend; die Innenhofseite könnte ggf. davon ausgenommen werden).

Manfred Ritter

Lesermeinung FNP 21.1.2020

Es ist schon erstaunlich, wenn vor der Erteilung der Baugenehmigung der Baukran errichtet und mit der Baustelleneinrichtung begonnen wird.Erstaunlich sind aber auch weitere Fakten im Verfahren des Bauantrages. Als ein Gegenüber in der Fleischgasse die Unterschrift zur Abstandsflächenregelung  verweigerte, wurde die Planung der Aufstockung geändert – reduziert. Als eine weitere Grundstücksbesitzerin die Unterschrift verweigerte wurde ihr gesagt, die Baugenehmigung würde erteilt, sie könne nach der Erteilung ja Einspruch einlegen.

Man fragt sich, warum der Einspruch erst nach der Erteilung der Genehmigung eingelegt werden soll und nicht vorher.

Die Aufstockung, ca. 3,50 m über die obere Traufe des Gebäudes in der Fleischgasse, bei einer zusätzlichen Auskragung zur Fleischgasse hin, stellt einen massiven Eingriff in die denkmalgeschützte Altstadt dar. Warum in diesem Verfahren der Denkmalbeirat, der ja für solche Fragen eingerichtet ist, nicht gehört wurde, ist ebenfalls erstaunlich. Dass der Beirat auch beim Verfahren um die völlig überdimensionierte Markisenanlage auf dem Kornmarkt – die ja noch ein ebenso großes Gegenüber bekommen sollte – nicht eingeschaltet wurde, sei der Vollständigkeit halber festgehalten.

Franz Josef Hamm Architekt BDA.dwb 

Kommentar – 04.02.2020

Als Denkmalpfleger bin ich fassungslos über diese Planung!

Prof. Dr. Achim Hubel (Regensburg)

Kommentar – 04.02.2020

Der unmaßstäbliche Aufbau sprengt die Dachlandschaft der Stadt Limburg

PD Dr. Eduard Sebald (Mainz)

Lesermeinung FNP 24.1.2020

Ich weiß nicht, was die Verantwortlichen der Stadt geritten hat, nicht nur für eine hässliche sondern auch altstadtschändliche Aufstockung des Domhotels zu stimmen. 

Dieser Betonklotz auf dem Dach, wenn er tatsächlich so ausgeführt wird, sieht aus wie ein Hochbunker, zumal die Fassade dieses Bauwerks farblich auch noch dunkler gehalten werden soll.

Das ist nicht nur ein architektonischer Stilbruch, sondern eine Verärgerung für alle Liebhaber der Altstadt und derer, die sich immer für sie einsetzen.
Ich weiß nicht und will es auch nicht wissen, mit Hilfe welcher Beziehungen diese Maßnahme im Eilverfahren letztendlich genehmigt wurde. Das Ganze hat
ein „Geschmäckle“!

Heidrun Leischner, Limburg


Leserzuschrift an die NNP am 24.1.20/ gekürzt am 29.1.20 erschienen


Ich wähnte mich kurzzeitig im 1. April, bis sich mir beim Lesen der morgendlichen Lektüre die Tragweite dieser Tragödie in ihrem vollen Umfang erschloss. Das Vorhaben markiert den absoluten Tiefpunkt aller Bemühungen um die Entwicklung und Erhaltung der Altstadt, die so erfolg- und segensreich mit der Ära Kohlmeier Anfang der 1970er-Jahre begann. Nach dem Glaspavillon in der Fahrgasse und der überdimensionierten Gastronomie-Überdachung am Kornmarkt folgt nunmehr der nächste Sündenfall, der in der kompletten Missachtung sämtlicher Gestaltungsregeln und rudimentärster denkmalpflegerischen Grundlagen gipfelt. Eine Einfügung dieses gestrandeten Raumschiffes über den Dächern der Altstadt kann nicht ernsthaft und allenfalls im Rahmen der Satire diskutiert werden. Daran ändert auch die angebliche Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege nichts, die offensichtlich in völliger Verkennung der Auswirkungen der Planung erfolgte.

Dass „Details noch abgestimmt“ werden, ändert nichts an der grundsätzlichen Katastrophe und gleicht dem von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch, einen Elefanten durch ein Nadelöhr zu pressen.

Verheerend ist das Vorhaben jedoch nicht nur für das Flächendenkmal Limburger Altstadt, sondern vielmehr auch für die politische und gesellschaftliche Akzeptanz in breiten Kreisen der Bevölkerung. Es zementiert die zunehmende Entfremdung der Bürgerinnen und Bürger von den staatlichen Institutionen und befeuert die allseits wachsende Politikverdrossenheit. Besonders bitter ist das Vorhaben jedoch für all jene, die sich tagtäglich um den Erhalt der Altstadt redlich bemühen und dabei in aufreibender Kleinstarbeit im Interesse von Substanzerhaltung und Wahrung des historischen Erscheinungsbildes schmerzhafte Kompromisse eingehen. Ich bin seit Jahrzehnten als Architekt in der Altstadt tätig und kann ein Lied davon singen.

Der Verzicht auf wirtschaftlich verwertbare Nutzflächen zugunsten des Bauwerkserhalts ist alltägliche Realität bei allen Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt. Mal ist die Gastro-Küche zu klein, die Anzahl der Sitzplätze zu gering, oder die Räumlichkeit wegen zu niedriger Deckenhöhe nur eingeschränkt nutzbar – stets sind für den Bauherren Kompromisse und Einschränkungen zur Wahrung denkmalpflegerischer Belange erforderlich. Trotzdem gibt es immer noch genügend Investoren, die sich den Häusern respektvoll annehmen und diese in gebührender Wertschätzung behutsam und denkmalgerecht instandsetzen und dabei auch viele Einschränkungen in Kauf nehmen. Wie soll man denen noch die Einhaltung elementarster Gestaltungsregeln abverlangen, wenn in der Nachbarschaft bauordnungs- und denkmalrechtlich sanktionierte Bausünden zu bestaunen sind?

Offensichtlich muss der Investor aber nur groß genug sein, damit unter dem Totschlagargument fehlender Wirtschaftlichkeit politischer Druck ausgeübt und die Belange des Denkmalschutzes leichtfertig über Bord geworfen werden. Dabei sind es meist keine zwingenden ökonomischen Gründe, sondern oftmals die nackte Gier, die zu den eingangs erwähnten Sündenfällen führen.

Abschließend bleibt zu konstatieren, dass es eine Form des politischen Anstands gewesen wäre, die Planung frühzeitig auch dem Denkmalbeirat vorzustellen, auch wenn dies rechtlich nicht erforderlich ist. Ansonsten ist die Sinnhaftigkeit dieses Gremiums grundsätzlich in Frage zu stellen, wenn die Möglichkeit zur Stellungnahme erst dann besteht, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist.

Dipl.-Ing. Architekt Stephan Dreier

Kommentar

Proportionslehre – die Lehre von ausgewogenen Proportionen der Teile eines Bauwerkes und von einer harmonischen Einfügung eines Bauwerks in den ihn umgebenden (Stadt-)Raum – gehört zu den Grundpfeilern des Studiums von Architekten und auch von Denkmalpflegern.

Wer sich jedoch die grobschlächtigen Simulationszeichnungen der geplanten Domhotel-Aufstockung ansieht und erfährt, dass nicht nur die örtlichen Denkmalpfleger (das ist schon schlimm genug!), sondern auch jene vom Landesamt für Denkmalpflege und auch der Bauamtsleiter der Stadt Limburg dieser den über Jahrhunderte bewährten Maßstab der Altstadt sprengenden Planung ihren Segen erteilt haben, der kann nur zu der Erkenntnis gelangen, dass es sowohl dem Architekten als auch den Denkmalpflegern und Bauamtsmitarbeitern an jeglichem Gespür für Proportionen mangelt.

Einen solchen Maßstabssprung, der die Proportionen nicht nur der Fleischgasse, sondern – man denke an künftige An- und Aufsichten der künftigen, erheblich gestörten Dachlandschaft von vielen Punkten der Altstadt – eines großen Teils der denkmalgeschützten (!) Altstadt unwiderbringlich aus dem Lot bringen würde, nicht von vorneherein zu erkennen und einer geplanten Aufstockung aus genau diesem Grund nicht die Zustimmung zu verweigern, zeugt von der mangelnden Qualifikation und Urteilskraft sowohl des Architekten als auch der Denkmalpfleger und Bauamtsmitarbeiter.

Hier haben gleich mehrere Personen auf unfassbare Weise versagt. Dem Architekten ist vielleicht wirklich nicht zu helfen; immerhin bleibt die Hoffnung, dass er seinen Irrtum einsieht oder zumindest wegen der Schande, die eine von ihm verantwortete Domhotel-Aufstockung für immer sein Werk überschatten würde, noch einen Rückzieher macht.

Den Denkmalpflegern und Bauamtsmitarbeitern sollte man dagegen vielleicht mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde auf die Sprünge helfen! Dr. Harzenetter (Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen) und Dr. Hahn: übernehmen Sie!

Oliver G. Hamm, Architekturkritiker in Berlin am 27.1.20

Kommentar

Das neue Fürstentum Limburg

Einst hat die Demokratie frühere Herrschaftsformen wie die Adeligkeit mit dem Versprechen abgelöst alle Menschen seien gleich. Seit dem hat sich im Volksmund der Spruch eingebürgert „aber manche sind gleicher“.

Das Limburger Domhotel soll erweitert werden. Dazu ist geplant, das bestehende Dach durch eine Art viereckige Kiste zu ersetzen, wodurch das Gebäude faktisch aufgestockt wird. Noch vor einigen Monaten setzte sich der Eigentümer öffentlich dafür ein, dass das zum Verkauf stehende Rathaus nicht als Hotel genutzt würde, da dies der Markt nicht hergebe.

Ich finde es unsäglich wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird; ich kann, wie sicher jeder andere Eigentümer von denkmalgeschützten Häusern in Limburg, dutzende Beispiele nennen, wo mir bis ins Detail Vorschriften gemacht wurden (die alle mein Geld kosteten) mit dem Versprechen und Ziel einer sehenswerten und schönen Altstadt. 

Umso unverständlicher finde ich es, dass im Kern der Altstadt nun eine moderne Erweiterung der bestehenden Volumen gewährt wurde. Noch interessanter finde ich dass die Baubehörde zunächst das Einverständnis der drei direkt durch Verschattung und Abstandsflächen betroffenen Nachbarn als Voraussetzung forderte. Nachdem jedoch nicht alle unterschreiben wollten, die Baugenehmigung trotzdem bewilligt wurde!

Es wird jetzt sicher eine juristische Rangelei und viele Begründungen zu diesem Bauvorhaben geben. Dazu sollte man Folgendes wissen:

In Limburg gibt es einige Besonderheiten. Während man sich normalerweise mit Beschwerden und Einsprüchen an eine unabhängige Bauaufsichtsbehörde wenden kann, ist im Falle von Limburg diese faktisch identisch mit der antragsentscheidenen Behörde. 

Zum anderen wird aufgrund der Rechtsauffassung in Hessen in einem solchen Fall nicht zurückgebaut. Die Richter vertreten die Meinung das der finanzielle Aufwand für den Bauherren nicht verhältnismäßig sei.

In den Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen wird, wenn im Nachhinein eine Unrechtmäßigkeit oder die Verletzung der Rechte Dritter festgestellt werden, gnadenlos zurückgebaut. 

Das führt dazu, dass dort selten mal jemand „aus Versehen ein Stock zu hoch“ baut.

Michael Sattler, Limburg , 28.1.20

Leserbrief NNP 29.1.20
Ein fremdartiger Baukörper

Ich kann dem Leserbrief des Kollegen Hamm nur voll und ganz zustimmen und bin ebenfalls einigermaßen erstaunt, dass ein derartiges und völlig „fremdartig“ wirkendes Bauvorhaben im historischen Ortskern der Stadt Limburg und unter Umgehung des Denkmalbeirates genehmigt worden ist. zudem wurde offenbar ohne Abstandsflächenregelung, die z.B. per Baulast die Zustimmung der Nachbarn bedarf, Genehmigung erteilt.

Der Nachweis weiteren Stellplätzen ist zudem nicht bekannt. Das Erstaunen hierüber wird allerdings noch verstärkt, betrachtet man die Animation auf Seite 9 der NNP vom 24.Januar. Die gewählte Art der Aufstockung wirkt im städtischen Bebauungsensemble der Fleischgasse wie ein puristischer Baukörper, der mangels Aufstellungsfläche am Grundstück in den Dachraum des historischen Gebäudes gestellt worden ist.

Dieser Baukörper fügt sich weder in die bebaute Umgebung ein, noch ist er bewusst als Kontrast zum Bebauungssumfeld gestaltet; von einer „Gestaltung“ kann vielmehr gar keine Rede sein. Das Vorhaben erinnert mich vielmehr an eine Bebauung in der Westerwaldstraße in Limburg ( ehem. Bäckerei Huth). Auch hier ist es gelungen, ein historisches Fachwerkgebäude durch einen Anbau mit Aufstockung zu „gestalten“. Man muß davon ausgehen, dass auch diese vergleichbare Baumaßnahme zur Gebäudeerweiterung so geplant und vom Bauamt genehmigt war.

Heinz-Jürgen Walter, Architekt in Limburg

Kommentar

Wer gegen geltendes Baurecht verstößt macht sich strafbar.

Sofern eine Missachtung vorliegt sollte gegen die zuständigen Genehmigungsbehörden mit Nachdruck geklagt werden. Durch die Zustimmung der Bauordnung zu der den städtebaulichen Maßstab sprengenden, den Nachbarschutz fröhlich ignorierenden Baumaßnahme wird Limburg auf die letzte Seite sämtlicher Fachmagazine des Bauwesens katapultiert.

Zukünftige Besucher der Altstadt werden staunen und diese wegen ungewöhnlicher Nachverdichtung der Kernstadt als Anschauungsobjekt weiter empfehlen.

Ob dies die Bettenbelegung weiter erhöht bleibt abzuwarten.

In NRW wird bei Nichteinhaltung des Baurechts sowie juristisch festgestellter Missachtung der Bauordnung eine zunächst erteilte Baugenehmigung zurückgezogen und anschließend der Rückbau gefordert. Alternativlos. Diese Regelung sollte in allen Bundesländern Anwendung finden. Im übrigen schuldet ein gemäß HOAI beauftragter Architekt eine dauerhafte gültige Baugenehmigung.

Stefan Schutte Architekt in Düsseldorf, 28.1.2020

Kommentar

Als Hochbauingenieur mit viel Erfahrung in Baudenkmalpflege kann ich die Genehmigung diese unförmigen Baukörpers nicht nachvollziehen. Linien und Proportionen des vorhandenen Baukörper werden mißachtet.

Gilbert Fleischel, Architekt in Köln am 29.1.20

Kommentar

Ich stimme für einen Baustopp, weil wieder mal Willkür und Klüngel über den Sachverstand gestellt werden.

Karla Mink, Dornburg am 28.1.20

Kommentar

Ich stimme für einen Baustopp, weil mir der Schutz des architektonischen Kulturerbes wichtig ist und weil in unserer demokratischen Gesellschaft, reine wirtschaftliche Faktoren nicht uneingeschränkt vorrangig vor kulturellen Interessen und Interessen der Bürger behandelt werden sollten.

Marion Digel, Professorin für Design, am 28.1.20

Kommentar

Wir Architekten sind in der Regel freie Architekten und sind frei in unseren Entscheidungen. Frei in der Form der Gestaltung und frei in der Entscheidung den Auftrag abzulehnen wenn die Bauherrschaft einen Weg einschlagen will, den wir nicht mitgehen wollen. Denn schließlich gestalten wir gebaute Umwelt! Als Eigentümer eines denkmalgeschützten Hauses in der Altstadt und als Architekt in der Denkmal-pflege bin ich es gewohnt und betrachte es als Selbstverständlichkeit auf den denkmalgeschützten Bestand, auch der Umgebung, sensibel einzugehen.

Dieser „Entwurf“ einer Aufstockung aber ist ein nicht nachvollziehbarer unausgegorener Schnellschuss, der nur der wirtschaftlichen Optimierung der Beteiligten dienen kann und alle geltenden Grundsätze für das Bauen im denkmalgepflegten Bestand negiert. Gerade in Limburg ist diese Aufstockung ein Fanal und öffnet für alle Investorenarchiteken die Tür zum „…aber der durfte doch auch!“

Jörg Torsten Brod, 29.1.20

Lesermeinung NNP 30.1.20

Es gibt Denkmalpfleger für die Bundesländer, Landkreise und Städte, meist hochqualifizierte und durch Zusatzausbildungen weitergebildete Fachleute aus Kunstgeschichte und Architektur.
Als Referent in Weiterbildungseinrichtungen und Aufbaustudien für Denkmalpflege kann ich sagen, das dort ein solch rücksichtsloser Umgang mit historischer Bausubstanz nicht vermittelt wird und in keinem Lehrplan steht.
Es wird z.B. Architekten u.a. eher vermittelt mit Respekt vor der hist. Bausubstanz sich mit baulichen Massnahmen in das Vorhandene ein- oder auch unterzuordnen anstatt, wie bei einem solchen Vorhaben deutlich zu erkennen, den eigenen Stempel aufzdrücken
Solch ein Freestyle gehört nicht ein eine Altstadt mit nationaler Bedeutung.
Die Oberkante der geplanten Bebauung gibt jetzt den Masstab vor für die nächsten Aufstockungen in der Altstadt.

Johannes Mosler, Restaurator in Oberzeuzheim 30.1.20

Kommentar

Es gibt, soweit nach den bisher der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Informationen beurteilt werden kann, erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der von der Stadt Limburg erteilten Baugenehmigung.

Es stehen mindestens Gründe des landesrechtlichen Denkmalschutzes gemäß dem hessischen Denkmalschutzgesetz sowie des städtebaulichen Denkmalschutzes gemäß Baugesetzbuch dem Bauvorhaben entgegen, das zu erheblichen und dauerhaften Beeinträchtigungen mehrerer Kulturdenkmäler führt.

Eine – ggf. gerichtliche – Überprüfung der Abwägungsentscheidung ist daher dringend geboten. Nachbarschützende Belange, auch aus dem Denkmalschutz heraus, sind offensichtlich nicht beachtet worden. Dass sich der Denkmalbeirat erst nach erteilter Baugenehmigung mit einem solch massiven Eingriff in das Stadtdenkmal befassen kann/soll, wie vom Bürgermeister geäußert, ist völlig absurd und gibt dem Vorgang ein ordentliches Geschmäckle.

Die negative Vorbildwirkung einer solchen Entscheidung kann sich verhehrend für die gesamte städtebauliche Entwicklung des über Jahrzehnte von den Bürgerinnen und Bürgern behutsam gepflegten und entwickelten Stadtdenkmals Limburg auswirken. Die vom Landesamt für Denkmalpflege offenbar in diesem Fall vertretene Position weicht von der seit Jahren zu erkennenden Linie derart ab (und zwar negativ und fachlich nicht nachvollziehbar), dass der Fall auch dem Denkmalschutzministerium und dem Landesdenkmalrat vorgestellt werden sollte. Denkmalschutz genießt in Hessen Verfassungsrang.

Was gerade in Limburg passiert, ist daher weit mehr als eine lokalpolitische Posse.

Kommentar der Petition 31.1.20 (Verfasser nicht öffentlich)

Leserbrief NNP 31.1.20

Zunächst einmal muss man festhalten, dass sich Herr Rohletter gemeinsam mit anderen Hoteliers im November 2018  gegen ein neues Hotel ausgesprochen hat mit dem Argument, dass es jetzt schon Überkapazitäten gibt.

Der Ankündigung des Domhotels, dass es seine Zimmerzahl erhöht, ist daher widersprüchlich, auch weil von nicht genutzten Flächen die Rede war und nicht von einer derartigen Erweiterung der Flächen.
Außer den beteiligten Ämtern, Gremien und natürlich dem Domhotel samt Architekten wusste bis Anfang Januar praktisch niemand, was genau geplant, inzwischen genehmigt und auch schon im Bau ist.

Nachdem inzwischen einige Leserbriefe erschienen sind, zum größten Teil von Architekten, die die Genehmigung von Seiten des Bauamtes und der Denkmalpflege nicht nachvollziehen können, ist auch klar, warum dieses Projekt so lange wie möglich unveröffentlicht blieb.

Ob die Baugenehmigung wirklich rechtens ist, wird in Kürze ein Gericht klären. 
Ob die 6 neuen Zimmer die Altstadt voranbringen darf bezweifelt werden. Für die Altstadt wäre ein Konzept, wie man den Wohnraum, der andernorts fehlt, wieder attraktiv macht viel dringender. 

Noch mehr Tourismus wird aber auch das langfristig untergraben, denn wer will in einer Altstadt wohnen, die tagsüber in weiten Teilen ein gut gefülltes Freilichtmuseum ist.

Es wäre wünschenswert, wenn man sich dazu nachhaltigere Gedanken macht, wie man Eigentümern, Bewohnern und Touristen gleichermaßen gerecht wird, denn sonst wird sich das ganze von alleine (auf)lösen;  eine unbewohnte und verhunzte Altstadt ist für die meisten Touristen dann auch nicht mehr attraktiv.

Isabel Hamm, Köln

Leserbrief NNP 31.1.20

Die Empörung über die genehmigte Aufstockung des Limburger Domhotel schlägt seine Wellen. 

Es ist einfach nicht zu fassen wie gnadenlos mittlerweile die Limburger Verwaltung, immer häufiger völlig absurde Projekte, einer Hand voll Unternehmer genehmigt. 

Der Kölner Karneval würde sich über solche Vorlagen freuen. Ich als Limburger bin einfach nur schockiert. 

Aber vielleicht ist es an der Zeit endlich dagegen vorzugehen und aufzuhören daran vorbeizureden. Man kann solche Entscheidungen nicht einfach mit Diskussionen über Geschmack, architektonischen Stil oder ungültige Satzungen weg reden. Diese Sünden werden bleiben. 

Deshalb kann man nur hoffen das endlich mehr Bürger sich dafür einsetzen, dass in den Ämtern die Menschen wieder gleich behandelt werden.

Michael Sattler, Limburg

Leserbrief NNP 5.2.20

Dass die Gäste von Frau Meloni von der Überdachung Ihres Außenbereichs auf dem Kornmarkt begeistert sind, kann man sich vorstellen, denn sie können nun auch noch bei Regen und an kühlen Tagen auf der Straße sitzen. 
Wenn aber nun alle Gastronomen mit Außenflächen dieses Recht in Anspruch nehmen, muss man zukünftig die Altstadt verlassen, wenn man den Himmel sehen will.
Soweit mir bekannt, wurde im Fall Meloni ein Antrag auf Überdachung als Sonnenschutz gestellt und nun steht dort ganzjährige eine wuchtige Überdachung, die auch noch mit Fundamenten im Boden verankert ist -wohlgemerkt auf öffentlichem Grund!
Wie konnte es passieren, dass dafür eine Genehmigung gegeben wurde?

Auch die Begründung, dass sich die Aufstockung des Domhotels harmonisch in die Umgebung fügt, lässt sich nicht nachvollziehen.
Aktuell werden am Domhotel versteckt hinter Planen möglichst schnell Fakten geschaffen. Das erinnert an die Baustelle von Tebarz van Eltzt mit dem Unterschied, dass hier, als der Bauzaun nach langer Bauzeit endlich gefallen
war, gute Architektur zum Vorschein kam, die nach dem bundesweit bekannt gewordenen Skandal, die Attraktivität der Altstadt tatsächlich bereichert hat.

Die Bewohner der Häuser in der Fleischgasse werden jedenfalls nicht begeistert sein, wenn sie zukünftig aus den Fenstern auf die Dachkiste auf dem Domhotel schauen.


Gisela Timmesfeld, Limburg

Kommentar

Diese Maßnahme entspricht nicht einer altstadtgerechten Bebauung. Da gleiches Recht für alle gilt, müssten somit allen beantragten Maßnahmen entsprochen werden. Dies wäre eine Katastrophe für die Altstadt. Ich bin ebenfalls Eigentümer eines denkmalgeschützten Hauses in der LM Altstadt, welches ich sanieren möchte.

Klaus Langschiet, Diez 2.2.20

Kommentar

Es gibt keine Stadt, die so attraktiv wäre, dass man sie nicht doch verhunzen könnte. Dabei geht es auch nicht allein um die Frage der Qualität, sondern um den Respekt vor der Geschlossenheit des Gesamtbildes, das gerade in Limburg einzigartig ist. Zudem ist der Kontrast allein noch lange kein Qualitätsmerkmal, wie der Entwurf anschaulich zeigt.

Dr. Peter Kran, Mainz 6.2.20

Kommentar

Zuerst einmal kann ich nicht nachvollziehen, wie optisch eine attraktive Altstadt mit seiner Historik, in diesem Ausmaß, entwürdigt wird. Dann haben wir selbst über Jahre mit dem Bau-und Denkmalamt gekämpft, um uns jetzt an die Vorgaben unserer Gebäudes (unter Denkmalschutz gestellt), so wie hoffentlich jeder zu halten. Diese Ungerechtigkeit besteht und sollte in keinsterweise von irgendwelcher Gelder und Korruption abhängig sein.

Stefanie Pütsch, Limburg 5.2.20

Leserbrief NNP 8.2.20

Ehe der 1. Stadtrat Michael Stanke die Mitglieder (des Denkmalbeirates) belehrt : „Der Magistrat dürfe den Denkmalbeirat nicht vor einer Baugenehmigung für Objekte von Privatleuten zurate ziehen …“ (NNP 31.1.2020), sollte er sich mit dem Denkmalrecht vertraut machen.  Im Kommentarband zum Hess.Denkmalschutz-Gesetz /Jan Nikolaus Viebrock, Lt. Regierungsdirektor a.D. und Andere, 4. Überarb. Aufl. 2018, steht unter Erläuterungen zu § 7,  2. Denkmalbeiräte (Abs.1):

 „ (…) Insbesondere soll der Denkmalbeirat vor Baumaßnahmen gehört werden, die den Abbruch, oder Teilabbruch eines Kulturdenkmales, starke Eingriffe in die Substanz eines Kulturdenkmals oder wesentliche Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes eines Kulturdenkmals bedeuten.“ 

Doch er kann auch in die eigene Geschäftsordnung des Denkmalbeirates vom 18. 12. 1985 sehen.

„ § 1 Aufgaben:  Der Beirat unterstützt die Denkmalschutzbehörden bei der Durchführung ihrer Aufgaben. Das setzt eine entsprechende Information seitens der Denkmalschutzbehörde der Kreisstadt Limburg a.d. Lahn voraus.

Der Beirat ist berechtigt, vor allen wichtigen Entscheidungen der unteren Denkmalschutzbehördenach § 16 DschG gehört zu werden.“

Die Aussagen des Herrn Stanke sind also nicht nur falsch, er kennt offenbar den Kommentar zum DschG und die Limburger Satzung des Denkmalbeirates nicht.

Franz Josef Hamm Architekt BDA . dwb

Kommentar 15.2.20

Die Genehmigung für das Bauvorhaben nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz ist allem Anschein nach nicht rechtsmäßig Zustande gekommen ist und mit diesem Bauvorhaben in der konzipierten Bauweise und Architektur – ich nenne es mal salopp „Städtebaulicher und architektonischer Sperrmüll“ – das historische Erscheinungsbild des Kulturdenkmals ( KD ) Domhotel gemäß Paragraph 2 Abs.1 DSchG und damit des denkmalgeschützten Stadtbildes als Gesamtanlage ( GA ) Limburger Altstadt gemäß Paragraph 2 Abs. 2 DSchG, erheblich beeinträchtigt wird. Außerdem ist dieses Bauvorhaben ein weitreichender und nicht wieder gut zu machender Berufungsfall mit erheblichen negativen Auswirkungen für die gesamte Altstadt von Limburg, wenn das Bauvorhaben umgesetzt wird. Hierbei handelt es sich um keine „zeitgemäße“ Architektur im Kontext der hist. Altstadt von Limburg und auch nicht um ein bisschen Moderne, sondern um „Billigarchitektur“ im Stil der 1960er Jahre. Es ist einfach nicht nach vollziehbar, wie ein Architekt so eine unsensible Architektur und Bauweise für ein so sensibles Altstadquatier „entwerfen“ kann. Gerade wegen dieser Art von Städtebau und Architektur ist 1974 das erste Hessische Denkmalschutzgesetz erlassen worden, um für die Zukunft solche Bausünden an Kulturdenkmälern und Denkmalgeschützten Stadtbildern zu verhindern. Ich habe den Eindruck, dass die Verantwortlichen der Unteren Denkmalschutzbehörde, so auch des Landesamtes für Denkmalpflege, die für Limburg zuständig sind, mit ihrer Aufgabe überfordert sind und regelrecht versagt . Sollte es hier der Fall sein, dass die für den Denkmalschutz ( UDSchB ) und Denkmalpflege ( LfDH ) zuständigen Personen, sich dieser Architekturmode unterwerfen und nicht aus der Geschichte des Ortes und nach Recht und Gesetz urteilen, mit Verlaub, dann brauchen wir sie nicht. Somit haben Sie gegen die Bestimmungen des Hessischen Denkmalschutzgesetz ( DSchG ) verstoßen hier insbesondere gegen den Paragraphen 1 Aufgaben des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege Abs. 1 in Verbindung mit Paragraph 7 Allgemeine Maßnahmen der Denkmalschutzbehörden Abs. 1. So ist allen Anschein nach die Abwägung zwischen den öffentlichen und den privaten Interessen nicht sorgfältig vorgenommen worden, die zugunsten des Kulturdenkmals und Stadtbildes hätte ausfallen müssen. Ich bin entsetzt über das was hier passiert ist. Das ist meine fachliche und rechtliche Einschätzung als ehem. Leiter der Unteren Denkmalschutz- Behörde der Stadt Marburg.

Manfred Ritter, ehem. Leiter der Unteren Denkmalschutz- Behörde der Stadt Marburg.

Kommentar 15.2.20

Das man Hotelzimmer heute behindertenfreundlich baut, sollte in einer Gesellschaft die altert, doch eine Selbstverständlichkeit sein. Dass man dieses Argument nun für ein architektonisches Monstrum heranzieht, ist ziemlich peinlich. Dieser Kasten wird nicht für Behinderte gebaut, sondern für eine Optimierung der Belegstruktur, sprich Gewinn. Die Limburger Altstadt lebt auch von ihrer Dächerstruktur. In absehbarer Zeit könnte das 9-stöckige Katharina-Kasper Haus, eine Bausünde des vergangenen Jahrhunderts am Rande der Altstadt abgerissen werden. Warum baut man dann gleich wieder eine neue????

Verfasser nicht öffentlich, Runkel

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